Kalibrierung beim Schallpegelmessgerät – warum sie so wichtig ist
Vorab kalibriert – was steht da eigentlich auf der Verpackung?
Wer sich ein Schallpegelmessgerät kauft, liest auf vielen Produktbeschreibungen den Hinweis „vorab kalibriert“ oder „werkseitig geeicht“. Für viele Käufer klingt das nach einem technischen Detail, das keine weitere Aufmerksamkeit verdient. Dabei ist die Kalibrierung eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass die angezeigten Messwerte überhaupt verlässlich sind.
Ein Schallpegelmessgerät misst den Schalldruck über ein empfindliches Mikrofon. Dieses Mikrofon kann mit der Zeit durch mechanische Einflüsse, Temperaturschwankungen oder einfach durch Alterung seine Empfindlichkeit leicht verändern. Eine Kalibrierung stellt sicher, dass das Gerät trotzdem zuverlässige Werte liefert, indem es regelmäßig mit einem bekannten Referenzpegel abgeglichen wird.
Wie funktioniert die Kalibrierung?
Die Kalibrierung eines Schallpegelmessgeräts erfolgt in der Regel mit einem sogenannten Schallpegeleichgerät, auch Kalibrator genannt. Dieses Gerät erzeugt einen definierten Schallpegel, typischerweise 94 dB bei einer Frequenz von 1.000 Hertz. Das Messgerät wird auf den Kalibrator aufgesetzt, und der angezeigte Wert wird mit dem bekannten Referenzwert verglichen. Bei einer Abweichung wird das Messgerät entsprechend korrigiert.
Viele handelsübliche Geräte kommen bereits ab Werk kalibriert. Das bedeutet, dass der Hersteller diesen Abgleich vor der Auslieferung durchgeführt hat und das Gerät beim Kauf sofort einsatzbereit ist. Für den Alltagsgebrauch ist das in der Regel ausreichend. Wer jedoch rechtlich verwertbare Messungen durchführen möchte, etwa für die Beurteilung von Lärm am Arbeitsplatz, sollte das Gerät regelmäßig nachkalibrieren lassen.
Wann ist eine Neukalibrierung nötig?
Für den privaten Einsatz reicht die werkseitige Kalibrierung meist über die gesamte Nutzungsdauer. Anders sieht es im professionellen Bereich aus. Wer Messungen für Arbeitsschutzgutachten, Lärmschutzberichte oder behördliche Nachweise durchführt, ist in der Regel verpflichtet, ein kalibriertes Gerät mit aktuellem Kalibrierzertifikat zu verwenden. Üblich ist eine jährliche Kalibrierung durch ein akkreditiertes Labor.
- Nach einem Sturz oder Stoß: Mechanische Erschütterungen können die Mikrofon-Empfindlichkeit verändern. Nach einem Sturz des Geräts sollte die Kalibrierung überprüft werden.
- Bei starken Temperaturschwankungen: Extreme Kälte oder Hitze können die Elektronik beeinflussen. Wer das Gerät häufig in unterschiedlichen Klimabedingungen nutzt, sollte es öfter kontrollieren.
- Bei auffälligen Messwerten: Wenn die angezeigten Werte deutlich von Erwartungswerten abweichen, kann eine fehlerhafte Kalibrierung die Ursache sein.
- Im Rahmen gesetzlicher Anforderungen: Für rechtlich verwertbare Messungen am Arbeitsplatz ist eine regelmäßige, dokumentierte Kalibrierung Pflicht.
Was bedeutet Genauigkeit beim Schallpegelmessgerät?
Eng mit der Kalibrierung verbunden ist die Genauigkeitsangabe eines Geräts. Viele Produktbeschreibungen geben eine Messtoleranz von etwa plus/minus 1,5 dB an. Das bedeutet, dass der angezeigte Wert um maximal 1,5 dB vom tatsächlichen Wert abweichen kann. Für die meisten Anwendungen ist das eine akzeptable Toleranz.
Für die Praxis bedeutet das: Wer einen Lärmpegel von 84 dB(A) misst, sollte bedenken, dass der tatsächliche Wert auch bei 85,5 dB(A) liegen könnte, also bereits über der gesetzlichen Grenze für Gehörschutz am Arbeitsplatz. Wer sichergehen möchte, sollte bei knappen Messwerten immer einen Sicherheitspuffer einplanen.
Kalibrierung und Messbereich
Neben der Kalibrierung spielt auch der Messbereich des Geräts eine Rolle. Die meisten handelsüblichen Schallpegelmessgeräte decken einen Bereich von etwa 30 bis 130 dB ab. Das ist für die meisten Alltagssituationen ausreichend, von ruhigen Innenräumen bis hin zu sehr lauten Industrieumgebungen. Wer regelmäßig Messungen an den Grenzen dieses Bereichs durchführt, sollte auf ein Gerät mit besonders hoher Genauigkeit in diesem Bereich achten.
Die Kalibrierung stellt sicher, dass das Gerät innerhalb seines angegebenen Messbereichs zuverlässig arbeitet. Außerhalb dieses Bereichs sind die Werte nicht mehr garantiert korrekt. Wer also wissen möchte, ob seine Arbeitsumgebung Gehörschutz erfordert, sollte sicherstellen, dass der tatsächliche Schallpegel im Messbereich des verwendeten Geräts liegt.
Woran erkennt man ein normgerechtes Gerät?
Beim Kauf eines Schallpegelmessgeräts tauchen auf Produktseiten häufig Normnummern auf, etwa EN 60651, EN 61672 oder IEC 61672:2013. Diese Angaben sind kein Marketingbegriff, sondern ein wichtiger Hinweis auf die Qualität und Verlässlichkeit des Geräts.
Die Norm IEC 61672, in Europa als EN 61672 umgesetzt, ist der aktuelle internationale Standard für Schallpegelmessgeräte. Sie definiert zwei Genauigkeitsklassen: Klasse 1 für präzise Labormessungen und professionelle Anwendungen, Klasse 2 für den allgemeinen Gebrauch, etwa Arbeitsplatzmessungen und Umweltlärmmessungen. Ein Gerät der Klasse 2 nach IEC 61672:2013 erfüllt die Anforderungen für die meisten Alltagsanwendungen und ist für die Beurteilung von Lärm am Arbeitsplatz in der Regel ausreichend.
Wer ein Gerät kauft, das keine Normnummer ausweist, sollte vorsichtig sein. Ohne Normbezug gibt es keine unabhängige Bestätigung dafür, dass das Gerät die versprochene Genauigkeit tatsächlich einhält, auch wenn es kalibriert geliefert wird. Die Normnummer auf der Verpackung ist also ein verlässlicheres Qualitätsmerkmal als der bloße Hinweis „werkseitig kalibriert“.
Einen guten Überblick über verfügbare Geräte und ihre technischen Eigenschaften bietet die Seite zum Schallpegelmessgerät. Wer den gemessenen Pegel anschließend für die Auswahl des richtigen Gehörschutzes nutzen möchte, findet im Glossareintrag zum SNR-Wert die passende Erklärung dazu. Und wer verstehen möchte, was die gemessenen Dezibel-Werte im Alltag bedeuten, findet dort ebenfalls eine verständliche Einordnung.
Häufige Fragen zur Kalibrierung
Dieser Glossar-Eintrag wurde von uns redaktionell unter Zuhilfenahme einer KI erstellt.
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