Messbereich von Schallpegelmessgeräten – worauf es wirklich ankommt
Eine Zahl auf der Verpackung, die viele übersehen
Wer ein Schallpegelmessgerät kauft, schaut meist zuerst auf den Preis und das Display. Der Messbereich, also die Angabe wie „35 bis 130 dB“, wird oft als technisches Detail abgetan. Dabei ist er eine der entscheidenden Kennzahlen dafür, ob ein Gerät für den eigenen Einsatzzweck tatsächlich geeignet ist oder nicht.
Außerhalb dieses Bereichs arbeitet das Gerät entweder im Sättigungsbereich, was bedeutet es kann den Pegel nicht mehr korrekt erfassen, oder es liefert zu ungenaue Werte im unteren Bereich, weil das Signal zu schwach für das Mikrofon ist. Wer also in einer sehr leisen Umgebung misst oder in einer extrem lauten, sollte unbedingt prüfen, ob das Gerät dafür ausgelegt ist.
Was bedeuten die Grenzen in der Praxis?
Die meisten handelsüblichen Geräte decken einen Bereich von etwa 30 bis 130 dB ab. Das klingt erst einmal sehr weit, aber es gibt durchaus Situationen, in denen diese Grenzen relevant werden.
- Untere Grenze: Wer prüfen möchte, ob ein Raum ruhig genug für konzentriertes Arbeiten ist, bewegt sich oft im Bereich von 30 bis 45 dB. Ein Gerät mit einer unteren Grenze von 40 dB liefert hier ungenaue oder gar keine sinnvollen Werte.
- Mittlerer Bereich: Für die meisten Alltagsmessungen, Arbeitsplatzbewertungen und die Überprüfung ob Gehörschutz am Arbeitsplatz erforderlich ist, reicht der Bereich von 50 bis 100 dB vollkommen aus.
- Obere Grenze: Wer auf Schießständen, in der Nähe von Industriemaschinen oder bei Sprengarbeiten messen möchte, bewegt sich schnell im Bereich von 120 bis 140 dB. Hier sind Spezialgeräte mit entsprechend hoher oberer Grenze nötig.
Messbereich und Kalibrierung: Der Zusammenhang
Ein Gerät liefert nur dann verlässliche Werte, wenn es sowohl einen geeigneten Messbereich hat als auch korrekt kalibriert ist. Selbst ein Gerät mit einem weiten Messbereich kann falsche Werte liefern, wenn die Kalibrierung nicht stimmt. Umgekehrt nützt eine perfekte Kalibrierung wenig, wenn der zu messende Schallpegel außerhalb des Messbereichs liegt.
Für die Auswahl des richtigen Geräts empfiehlt es sich, den typischen Schallpegel am geplanten Einsatzort vorab abzuschätzen und dann ein Gerät zu wählen, dessen Messbereich diesen Wert komfortabel abdeckt, also mit ausreichend Abstand zu beiden Grenzen.
Automatikmessung versus manuelle Bereichswahl
Ältere oder günstigere Geräte verlangen manchmal eine manuelle Bereichswahl. Der Nutzer muss vor der Messung einstellen, in welchem Pegelbereich er sich befindet. Liegt der tatsächliche Schallpegel dann außerhalb des gewählten Bereichs, zeigt das Gerät einen Überlauf oder liefert ungenaue Werte.
Moderne Geräte arbeiten dagegen mit automatischer Bereichswahl. Sie erkennen selbstständig, in welchem Bereich sich der aktuelle Schallpegel befindet, und passen die Messung entsprechend an. Das macht die Handhabung deutlich einfacher und reduziert das Risiko von Fehlmessungen durch falsche Bereichswahl.
Was viele nicht wissen: Der Messbereich beeinflusst die Auflösung
Hier kommt der Mehrwert, den die meisten Produktbeschreibungen verschweigen: Ein sehr weiter Messbereich geht oft zu Lasten der Auflösung im mittleren Bereich. Geräte, die von 20 bis 140 dB messen, haben manchmal eine geringere Messgenauigkeit im für den Alltag relevanten Bereich von 60 bis 100 dB als Geräte, die auf einen engeren Bereich optimiert sind.
Wer also weiß, dass er hauptsächlich Arbeitsplatzmessungen im Bereich von 70 bis 100 dB durchführen möchte, fährt mit einem Gerät, das genau auf diesen Bereich optimiert ist, oft besser als mit einem Universalgerät mit riesigem Messbereich. Die Auflösung von 0,1 dB, die viele Geräte versprechen, ist nur dann aussagekräftig, wenn sie im tatsächlich genutzten Messbereich auch eingehalten wird.
Bei der Messung von Impulslärm, etwa Schussgeräuschen oder Hammerschlägen, gelten andere Anforderungen als bei Dauerlärm. Hier ist die Reaktionsgeschwindigkeit des Geräts entscheidend. Wer solche Messungen durchführen möchte, sollte auf Geräte achten, die speziell für Impulsmessungen ausgelegt sind. Mehr dazu im Glossareintrag zum Peakwert beim Schallpegelmessgerät.
Normen und Klassen: Was die Angaben auf der Verpackung bedeuten
Neben dem Messbereich findet sich auf vielen Produktseiten eine weitere Angabe, die oft unbeachtet bleibt: die Normklasse. Begriffe wie EN 61672 Klasse 2 oder IEC 61672:2013 Class 2 tauchen in technischen Datenblättern auf und sagen mehr über die Eignung eines Geräts aus als der Messbereich allein.
Die Norm IEC 61672, in Europa als EN 61672 umgesetzt, legt fest, wie genau ein Schallpegelmessgerät innerhalb seines Messbereichs arbeiten muss. Klasse 1 beschreibt höhere Genauigkeitsanforderungen für Präzisionsmessungen im Labor oder bei behördlichen Nachweisen. Klasse 2 ist der Standard für den allgemeinen Gebrauch, also Arbeitsplatzmessungen, Umgebungslärm und private Nutzung. Der wichtige Zusammenhang: Ein Gerät mit sehr weitem Messbereich aber ohne Normbezug gibt keine Garantie dafür, dass es innerhalb dieses Bereichs die versprochene Genauigkeit tatsächlich einhält. Die Normklasse ist also die Qualitätssicherung hinter dem Messbereich.
Wer ein Gerät für rechtlich relevante Messungen, etwa zur Beurteilung ob am Arbeitsplatz Gehörschutz vorgeschrieben ist, kaufen möchte, sollte darauf achten, dass sowohl der Messbereich als auch die Normklasse für den Einsatzzweck passen. Der gemessene Schallpegel bildet immer die Grundlage für die Auswahl des richtigen SNR-Werts beim Gehörschutz.
Häufige Fragen zum Messbereich
Dieser Glossar-Eintrag wurde von uns redaktionell unter Zuhilfenahme einer KI erstellt.
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