H, M und L beim Gehörschutz – was diese Angaben wirklich bedeuten
Drei Buchstaben, die auf fast jeder Verpackung stehen
Wer ein Gehörschutzprodukt kauft und die Verpackung genau liest, stößt neben dem bekannten SNR-Wert auf drei weitere Buchstaben: H, M und L. Sie stehen meist zusammen mit Zahlenwerten, etwa H 35, M 29, L 22. Viele Käufer ignorieren diese Angaben, weil der SNR-Wert auf den ersten Blick ausreichend erscheint. Dabei liefern H, M und L ein deutlich präziseres Bild davon, wie gut ein Produkt in einer bestimmten Lärmsituation schützt.
Der Hintergrund ist folgender: Der SNR-Wert ist ein Durchschnittswert über alle Frequenzen hinweg. Er sagt, um wie viele Dezibel der Schallpegel insgesamt reduziert wird, gibt aber keine Auskunft darüber, ob das Produkt bei tiefen Tönen genauso gut dämpft wie bei hohen. H, M und L schließen diese Lücke, indem sie die Dämmleistung für drei verschiedene Frequenzbereiche separat ausweisen.
Was bedeuten die drei Frequenzbereiche?
Lärm besteht selten aus einer einzigen Frequenz. Maschinen, Fahrzeuge, Werkzeuge und andere Lärmquellen erzeugen ein breites Spektrum an Tönen, vom tiefen Brummen bis hin zum schrillen Pfeifen. Je nach Lärmquelle dominieren bestimmte Frequenzbereiche, und genau hier kommen H, M und L ins Spiel.
- H (High, hohe Frequenzen ab 2.000 Hz): Dieser Bereich umfasst schrillen, hellen Lärm wie Kreissägen, Schleifmaschinen oder Pfeifen. Die meisten Gehörschutzprodukte dämpfen hohe Frequenzen besonders gut, weshalb der H-Wert oft der höchste der drei Werte ist.
- M (Medium, mittlere Frequenzen 500 bis 2.000 Hz): Dieser Bereich entspricht etwa der menschlichen Sprache und vielen Alltagsgeräuschen wie Verkehrslärm oder laufenden Motoren. Das Gehör ist in diesem Bereich besonders empfindlich.
- L (Low, tiefe Frequenzen unter 500 Hz): Tieffrequenter Lärm wie das Brummen schwerer Maschinen, Kompressoren oder Lüftungsanlagen. Tiefe Frequenzen sind physikalisch schwerer zu dämpfen, weshalb der L-Wert oft deutlich niedriger ausfällt als H und M.
Wann sind H, M und L wichtiger als der SNR-Wert?
Für viele Alltagssituationen reicht der SNR-Wert als Auswahlkriterium aus. Er gibt einen guten Überblick darüber, ob ein Produkt ausreichend schützt. Doch sobald der Lärm am Einsatzort eine ausgeprägte Frequenzcharakteristik hat, sollte man genauer hinschauen.
Ein konkretes Beispiel: Zwei Produkte haben denselben SNR-Wert von 28. Produkt A hat H 35, M 28, L 18. Produkt B hat H 29, M 28, L 27. Wer neben einem Kompressor mit viel tieffrequentem Lärm arbeitet, ist mit Produkt B besser geschützt, obwohl beide denselben Gesamtdämmwert haben. Wer dagegen an einer Kreissäge arbeitet, profitiert mehr von Produkt A mit dem höheren H-Wert.
Besonders relevant ist diese Unterscheidung beim Gehörschutz am Arbeitsplatz, wo Arbeitgeber verpflichtet sind, den Lärm zu beurteilen und geeigneten Schutz bereitzustellen. Wer den Schallpegel und seine Frequenzverteilung mit einem Schallpegelmessgerät ermittelt hat, kann auf Basis der H, M und L-Werte ein passgenaues Produkt auswählen.
Wie rechnet man mit H, M und L?
Die europäische Norm EN ISO 4869-2 beschreibt eine vereinfachte Methode, um aus den H, M und L-Werten den effektiven Dämmwert für eine bestimmte Lärmsituation zu berechnen. Dazu wird zunächst der Lärmpegel in dB(A) und dB(C) gemessen. Aus der Differenz beider Werte ergibt sich, welcher der drei Werte H, M oder L für die Berechnung herangezogen wird.
Liegt die Differenz zwischen dB(C) und dB(A) unter 2, wird M verwendet. Liegt sie zwischen 2 und 10, wird H verwendet. Liegt sie über 10, wird L verwendet. Dieser berechnete Wert gibt dann an, um wie viele Dezibel der Schallpegel am Ohr tatsächlich reduziert wird, angepasst an die spezifische Frequenzcharakteristik des Lärms am Einsatzort.
Für den Privatgebrauch ist diese Berechnung in der Regel nicht notwendig. Wer jedoch im beruflichen Umfeld mit der Auswahl von Gehörschutz betraut ist oder selbst verstehen möchte, welches Produkt in seiner Situation am besten schützt, findet hier ein präzises Werkzeug.
Tieffrequenter Lärm: Der blinde Fleck vieler Produkte
Ein Aspekt, der in den meisten Produktbeschreibungen kaum erwähnt wird: Der L-Wert ist bei vielen Standardprodukten deutlich schwächer als H und M. Das liegt daran, dass tiefe Frequenzen physikalisch schwerer zu dämpfen sind. Ein Produkt mit SNR 30 kann einen H-Wert von 38 und einen L-Wert von nur 18 haben.
Wer in einer Umgebung mit viel tieffrequentem Lärm arbeitet, etwa neben schweren Industriemaschinen, Kompressoren oder Generatoren, und sich nur auf den SNR-Wert verlässt, unterschätzt möglicherweise die tatsächliche Schutzwirkung erheblich. Mehr zur Bedeutung von Frequenzen bei der Schallmessung und warum tieffrequenter Lärm besonders tückisch ist, findet sich im entsprechenden Glossareintrag.
Für Jäger und Schützen spielt die Frequenzverteilung ebenfalls eine Rolle, weil Schussgeräusche ein breites Spektrum abdecken. Auf der Seite zum Gehörschutz auf der Jagd sind geeignete Produkte für diesen Einsatzbereich vorgestellt. Wer eine maßgefertigte Lösung sucht, findet im Glossareintrag zur Otoplastik weiterführende Informationen zu individuell abgestimmten Filtern.
Häufige Fragen
Dieser Glossar-Eintrag wurde von uns redaktionell unter Zuhilfenahme einer KI erstellt.
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