Nachhall – warum er Räume lauter macht als sie sein müssten
Wenn Schall nicht verschwindet, sondern nachhallt
Wer in einem leeren Raum spricht und die eigene Stimme als Echo zurückkommt, erlebt Nachhall. Wer in einem gut eingerichteten Wohnzimmer sitzt und kaum ein Echo wahrnimmt, erlebt das Gegenteil: ein akustisch gedämpftes Umfeld. Der Nachhall ist eine der zentralen Größen in der Raumakustik und beeinflusst maßgeblich, wie Räume klingen und wie angenehm sie sich anfühlen.
Nachhall ist kein Fehler, sondern ein physikalisches Phänomen. In Konzertsälen ist ein gewisser Nachhall erwünscht, weil er Musik voller und lebendiger klingen lässt. In Büros, Schulen oder Industriehallen hingegen ist zu viel Nachhall störend, weil er Sprache unverständlich macht, den Lärmpegel erhöht und die Konzentration erschwert. Die Frage ist also nicht, ob Nachhall vorhanden ist, sondern wie viel davon für den jeweiligen Zweck angemessen ist.
Die Nachhallzeit: Das Maß für den Nachhall
Das wichtigste Messinstrument für den Nachhall ist die Nachhallzeit, abgekürzt RT60 oder T60. Sie gibt an, wie viele Sekunden es dauert, bis der Schallpegel nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 Dezibel abgefallen ist. Eine kurze Nachhallzeit bedeutet, dass der Schall schnell absorbiert wird und der Raum akustisch trocken klingt. Eine lange Nachhallzeit bedeutet, dass der Schall lange nachhallt und der Raum halliger klingt.
- Unter 0,3 Sekunden: Sehr kurze Nachhallzeit, typisch für schalltote Räume oder stark gedämpfte Umgebungen. Für die meisten Alltagsanwendungen zu trocken.
- 0,3 bis 0,6 Sekunden: Optimaler Bereich für Büros, Besprechungsräume und Klassenzimmer. Sprache ist gut verständlich, ohne dass der Raum dumpf klingt.
- 0,6 bis 1,2 Sekunden: Geeignet für Mehrfamilienwohnungen, Restaurants und kleinere Veranstaltungsräume. Musik klingt angenehm, Sprache ist noch gut verständlich.
- Über 2 Sekunden: Typisch für Kirchen, Kathedralen und große Konzertsäle. Für Sprache oft problematisch, für Orgelmusik oder Chorgesang akustisch reizvoll.
Was beeinflusst den Nachhall?
Die Nachhallzeit eines Raumes hängt von zwei Faktoren ab: dem Raumvolumen und der absorbierten Schallenergie. Größere Räume haben bei gleicher Ausstattung tendenziell längere Nachhallzeiten als kleinere. Mehr absorbierende Flächen, also Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel, Akustikplatten oder Schallabsorber, reduzieren die Nachhallzeit.
Der Schallabsorptionsgrad der verwendeten Materialien bestimmt dabei, wie effektiv sie den Nachhall reduzieren. Materialien mit hohem Absorptionsgrad schlucken mehr Schallenergie und verkürzen die Nachhallzeit stärker als solche mit niedrigem Absorptionsgrad. Wer die Nachhallzeit in einem Raum gezielt reduzieren möchte, sollte daher auf Produkte mit hohem Absorptionsgrad setzen und diese strategisch an den Flächen platzieren, die am meisten zur Reflexion beitragen, in der Regel die Decke und die Wände gegenüber der Hauptschallquelle.
Nachhall und Lärmpegel: Der wenig bekannte Zusammenhang
Hier ein Aspekt, der in der Praxis oft unterschätzt wird: Zu viel Nachhall erhöht nicht nur das subjektive Lärmpfinden, sondern auch den tatsächlich messbaren Schallpegel im Raum. In einem halligen Raum überlagern sich die direkten Schallwellen der Quelle mit den reflektierten Wellen. Das Ergebnis ist ein höherer Gesamtschallpegel, als die Schallquelle allein erzeugen würde.
In Industriehallen mit langen Nachhallzeiten kann der gemessene Schallpegel durch die Reflexionen um mehrere Dezibel höher liegen als in einem akustisch gedämpften Raum mit derselben Lärmquelle. Das bedeutet: Wer den Schallpegel in einem Raum mit einem Schallpegelmessgerät misst und danach entscheidet, ob Gehörschutz am Arbeitsplatz erforderlich ist, sollte auch die Raumakustik im Blick haben. Eine Verbesserung der Raumakustik durch Schallabsorber kann den Schallpegel senken und damit die Notwendigkeit persönlichen Gehörschutzes reduzieren.
Nachhall messen: Wie geht das?
Im professionellen Bereich wird die Nachhallzeit mit speziellen Messgeräten und Software ermittelt. Ein Impuls, zum Beispiel ein Pistolenschuss oder ein Knall, wird im Raum erzeugt, und das Mikrofon zeichnet auf, wie schnell der Schallpegel abfällt. Die Software berechnet daraus die Nachhallzeit für verschiedene Frequenzbereiche.
Für den Heimbereich gibt es einfache Smartphone-Apps, die eine grobe Schätzung der Nachhallzeit ermöglichen. Diese reichen für eine erste Orientierung aus, ersetzen aber keine professionelle Messung, wenn es um genaue Planungswerte geht. Wer ein Heimstudio, ein Besprechungszimmer oder eine Schulungsräumlichkeit akustisch optimieren möchte, sollte eine Fachperson hinzuziehen, die eine normgerechte Messung durchführen kann.
Einen guten Einstieg in das Thema Schallschutz und Raumakustik bietet die Übersichtsseite zum Schallschutz. Wer gezielt nach Produkten sucht, die den Nachhall in einem Raum reduzieren, findet auf den Seiten zu Akustikbildern, Akustikplatten und Akustiktrennwänden geeignete Lösungen.
Häufige Fragen
Dieser Glossar-Eintrag wurde von uns redaktionell unter Zuhilfenahme einer KI erstellt.
Inhalte koennen redaktionell gekuerzt oder angepasst sein.
