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Schallabsorptionsgrad – was die Kennzahl akustischer Materialien bedeutet

Eine Kennzahl, die auf Akustikprodukten kaum erklärt wird

Wer sich mit Schallabsorbern, Akustikplatten oder Akustikbildern beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Schallabsorptionsgrad. Auf Produktbeschreibungen taucht er oft als NRC-Wert oder αw-Wert auf, manchmal auch als einfacher Prozentwert. Was genau dahinter steckt und wie man diesen Wert richtig liest, erklären die wenigsten Anbieter verständlich.

💡 Definition: Der Schallabsorptionsgrad ist eine dimensionslose Kennzahl zwischen 0 und 1, die angibt, welchen Anteil der auftreffenden Schallenergie ein Material absorbiert. Ein Wert von 0 bedeutet vollständige Reflexion, ein Wert von 1 bedeutet vollständige Absorption. In der Praxis liegen die meisten Materialien irgendwo dazwischen.

Der Schallabsorptionsgrad beschreibt also nicht, wie laut oder leise ein Raum ist, sondern wie gut ein bestimmtes Material Schall schluckt, anstatt ihn zu reflektieren. Ein hoher Wert bedeutet, dass das Material wenig Schall zurückwirft und damit den Schallschutz im Raum verbessert. Ein niedriger Wert bedeutet, dass der Schall größtenteils an der Oberfläche reflektiert wird und sich weiter im Raum ausbreitet.

Wie wird der Schallabsorptionsgrad gemessen?

Die Messung erfolgt im Labor nach standardisierten Verfahren. Das Material wird in einem speziellen Hallraum getestet, und es wird gemessen, wie viel Schallenergie es bei verschiedenen Frequenzen absorbiert. Aus diesen Einzelmessungen wird dann ein Gesamtwert berechnet, der die Absorption über das relevante Frequenzspektrum zusammenfasst.

In Europa wird häufig der αw-Wert (Alpha w) nach der Norm EN ISO 11654 verwendet. In Nordamerika ist der NRC-Wert (Noise Reduction Coefficient) verbreitet. Beide beschreiben im Wesentlichen dasselbe, unterscheiden sich aber in der genauen Berechnungsmethode. Wer europäische Produkte kauft, wird meist den αw-Wert finden.

  • 0,0 bis 0,2: Sehr geringe Absorption. Harte, glatte Oberflächen wie Beton, Glas oder Fliesen reflektieren Schall fast vollständig. In Räumen mit vielen solchen Flächen entsteht ein langer Nachhall.
  • 0,3 bis 0,5: Mittlere Absorption. Standardmäßige Teppiche, Vorhänge oder einfache Polstermöbel liegen in diesem Bereich. Sie reduzieren den Nachhall spürbar, sind aber für stark hallige Räume oft nicht ausreichend.
  • 0,6 bis 0,8: Gute Absorption. Speziell entwickelte Akustikplatten und hochwertige Schallabsorber erreichen diese Werte. Sie eignen sich gut für Büros, Besprechungsräume oder Heimstudios.
  • 0,9 bis 1,0: Sehr hohe Absorption. Professionelle Akustikschaumstoffe und spezielle Absorber für Tonstudios oder lärmintensive Industrieräume. Diese Materialien schlucken nahezu den gesamten auftreffenden Schall.

Was ist der Unterschied zu Schalldämmung?

Schallabsorption und Schalldämmung werden im Alltag oft verwechselt, beschreiben aber zwei völlig verschiedene Dinge. Schallabsorption beschreibt, wie gut ein Material Schall innerhalb eines Raumes schluckt und damit den Nachhall reduziert. Schalldämmung beschreibt, wie gut ein Material verhindert, dass Schall von einem Raum in einen anderen dringt.

Ein dicker Teppich absorbiert Schall gut, dämmt aber kaum. Eine massive Betonwand dämmt ausgezeichnet, absorbiert aber kaum. Wer das Ziel hat, den Lärm in einem Raum angenehmer zu machen, braucht Absorption. Wer verhindern möchte, dass Lärm aus einem Raum nach außen dringt oder von außen hereinkommt, braucht Dämmung. Für viele praktische Situationen, etwa im Büro oder Heimbereich, ist Absorption der relevantere Faktor.

Schallabsorptionsgrad und Frequenz: Was viele übersehen

Der αw-Wert ist ein gemittelter Gesamtwert über verschiedene Frequenzen. Er sagt nicht aus, wie gut ein Material bei tiefen, mittleren oder hohen Tönen absorbiert. Genau wie beim H, M und L-Wert beim Gehörschutz gibt es auch bei Akustikmaterialien frequenzspezifische Unterschiede, die der Gesamtwert verdeckt.

Tieffrequente Schallwellen sind physikalisch schwerer zu absorbieren als hohe. Ein Material mit einem αw-Wert von 0,8 kann bei 250 Hz einen Absorptionsgrad von nur 0,4 haben, während er bei 2.000 Hz bei 0,95 liegt. Wer in einem Raum besonders viel tieffrequenten Lärm hat, etwa durch Maschinen, Lüftungsanlagen oder Musik mit viel Bass, sollte gezielt nach Materialien suchen, die auch bei tiefen Frequenzen hohe Absorptionswerte aufweisen. Diese Information findet sich meist im technischen Datenblatt des Produkts, nicht auf der Verpackung.

Wann und wo lohnt sich der Einsatz?

Schallabsorbierende Materialien machen überall dort Sinn, wo der Nachhall störend ist oder wo Lärm die Konzentration oder das Wohlbefinden beeinträchtigt. Klassische Einsatzbereiche sind Großraumbüros, Besprechungsräume, Heimstudios, Schulen und Produktionshallen.

Entscheidend für die Wirksamkeit ist nicht nur der Absorptionsgrad des Materials, sondern auch die eingesetzte Menge. Selbst ein Material mit sehr hohem Wert erzielt keine messbare Wirkung, wenn nur ein kleines Stück davon angebracht wird. Als Faustregel gilt: Die absorbierende Fläche sollte mindestens 15 bis 20 Prozent der Raumfläche ausmachen, um eine spürbare Reduktion des Nachhalls zu erzielen.

Einen guten Überblick über verschiedene Produkte für unterschiedliche Einsatzbereiche bietet die Seite zum Schallabsorber. Wer gezielt für Wände oder Decken sucht, findet auf den Seiten zum Schallabsorber Wand und Schallabsorber Decke weiterführende Informationen. Für den Einsatz in Büros mit Trennwänden ist auch die Seite zur Akustiktrennwand relevant.

Häufige Fragen

Das Material absorbiert 80 Prozent der auftreffenden Schallenergie und reflektiert 20 Prozent zurück in den Raum. Je näher der Wert an 1,0 liegt, desto besser schluckt das Material den Schall.
Beide beschreiben die Schallabsorption eines Materials, unterscheiden sich aber in der Berechnungsmethode. αw ist die europäische Norm nach EN ISO 11654, NRC ist der nordamerikanische Standard. Die Werte sind ähnlich, aber nicht direkt vergleichbar.
Tieffrequente Schallwellen haben eine größere Wellenlänge und mehr Energie, die schwerer zu absorbieren ist. Dünne Materialien wie Akustikschaumstoff wirken vor allem bei hohen Frequenzen gut. Für Tieftonabsorption braucht man dickere oder speziell konstruierte Materialien.
Als Faustregel gilt, dass die absorbierende Fläche mindestens 15 bis 20 Prozent der Raumfläche ausmachen sollte, um eine spürbare Wirkung zu erzielen. Der genaue Bedarf hängt von der Raumgeometrie und dem gewünschten Ergebnis ab.
Für eine normgerechte Messung braucht man einen Hallraum und spezielle Messtechnik. Im Heimbereich lässt sich die Wirkung eines Absorbers aber grob mit einem Schallpegelmessgerät und einer Nachhallzeitmessung beurteilen.

Dieser Glossar-Eintrag wurde von uns redaktionell unter Zuhilfenahme einer KI erstellt.

Inhalte koennen redaktionell gekuerzt oder angepasst sein.


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