Flatterhall – das akustische Phänomen einfach erklärt
Ein Phänomen, das jeden kennt, aber kaum jemand benennen kann
Wer in einem leeren Raum in die Hände klatscht und ein merkwürdiges Zwitschern oder Flattern hört, erlebt Flatterhall. Es klingt anders als normaler Nachhall, ist unangenehmer und tritt in bestimmten Räumen besonders stark auf. Auf Produktseiten für Schallabsorber taucht der Begriff regelmäßig auf, meist ohne Erklärung. Dabei ist Flatterhall ein eigenständiges akustisches Problem, das besondere Maßnahmen erfordert.
Der Name beschreibt das Phänomen treffend: Der Schall flattert zwischen den Flächen hin und her, anstatt gleichmäßig abzuklingen wie beim normalen Nachhall. Das Ergebnis ist ein rhythmisches, oft unangenehm klingendes Nachschwingen, das vor allem bei kurzen, impulsartigen Geräuschen wie Klatschen, Schritten oder perkussiven Instrumenten deutlich hörbar wird.
Wie entsteht Flatterhall?
Die Entstehung ist einfach zu verstehen: Eine Schallwelle trifft auf eine glatte, harte Wand und wird reflektiert. Die reflektierte Welle trifft auf die gegenüberliegende, ebenfalls glatte Wand und wird erneut reflektiert. Dieser Vorgang wiederholt sich in rascher Folge, solange die Wände parallel zueinander stehen und keine Absorptionsflächen vorhanden sind.
Die Geschwindigkeit, mit der der Schall zwischen den Wänden pendelt, hängt vom Abstand der Wände ab. Bei einem Wandabstand von etwa vier Metern ergibt sich eine Pendelfrequenz von etwa 43 Hertz, was zu einem tiefen, brummenden Flattern führt. Bei schmaleren Räumen mit zwei Metern Wandabstand sind es etwa 85 Hertz. Diese Frequenz ist es, die dem Flatterhall seinen charakteristischen Klang gibt.
In welchen Räumen tritt er besonders häufig auf?
Flatterhall ist typisch für bestimmte Raumformen und Ausstattungen.
- Leere Räume: Frisch renovierte oder leere Wohnungen, Büros vor dem Einzug oder Kellerräume ohne Einrichtung sind klassische Flatterhall-Situationen. Ohne Möbel, Teppiche oder Vorhänge fehlen alle natürlichen Absorptionsflächen.
- Rechteckige Räume mit glatten Wänden: Besonders betroffen sind Räume, in denen zwei gegenüberliegende Wände parallel, glatt und hart sind, etwa Betonwände, Glasfronten oder geflieste Flächen.
- Treppenräume und Flure: Lange, schmale Räume mit glatten Wänden sind ideale Flatterhall-Generatoren, weil Schall kaum Möglichkeit hat, in andere Richtungen abgelenkt zu werden.
- Sporthallen und Industriehallen: Große Hallen mit harten Böden und Wänden erzeugen oft ausgeprägte Flatterhall-Phänomene, die Sprache praktisch unverständlich machen.
Wie unterscheidet sich Flatterhall von normalem Nachhall?
Normaler Nachhall klingt gleichmäßig aus, weil Schall in viele Richtungen reflektiert wird und dabei zunehmend Energie verliert. Flatterhall hingegen hat eine ausgeprägte Periodizität: Der Schall pendelt in einem bestimmten Rhythmus zwischen zwei Flächen und klingt dabei charakteristisch flatternd oder zischend aus.
Akustisch lässt sich der Unterschied leicht demonstrieren: Wer in einem halligen Raum in die Hände klatscht und das Nachklingen gleichmäßig abklingt, erlebt normalen Nachhall. Wer dagegen ein Flattern, Zischen oder Zwitschern hört, erlebt Flatterhall. Die Raumhallzeit allein beschreibt Flatterhall nicht ausreichend, weil sie nur das gleichmäßige Abklingen misst, nicht die periodischen Schwingungen.
Wie wird Flatterhall bekämpft?
Die wirksamste Maßnahme ist das Aufbrechen der Parallelität der reflektierenden Flächen. Das kann durch verschiedene Ansätze erreicht werden.
- Schallabsorber an einer der parallelen Wände: Wenn eine der zwei gegenüberliegenden Wände mit Wandabsorbern oder Akustikplatten versehen wird, wird die Pendelbewegung des Schalls unterbrochen. Bereits eine teilweise Abdeckung reduziert den Flatterhall deutlich.
- Diffusoren: Unregelmäßig geformte Oberflächen streuen den Schall in viele Richtungen, anstatt ihn gerichtet zu reflektieren. Bücherregale, unregelmäßige Wandverkleidungen oder spezielle Akustikdiffusoren helfen dabei.
- Einrichtung und Textilien: Möbel, Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel unterbrechen die parallelen Flächen und reduzieren Flatterhall spürbar. Deshalb verschwindet das Problem in eingerichteten Räumen oft von selbst.
- Deckenabsorber: Auch zwischen Boden und Decke kann Flatterhall entstehen. Deckenabsorber oder abgehängte Akustikelemente unterbrechen diesen vertikalen Reflektionsweg.
Was viele nicht wissen: Flatterhall kann durch Gehörschutz nicht gelöst werden
Hier ein Aspekt, der in der Praxis oft zu falschen Erwartungen führt: Flatterhall ist ein Raumproblem, kein persönliches Lärmproblem. Wer in einem Raum mit starkem Flatterhall arbeitet und glaubt, mit Ohrenstöpseln oder Kapselgehörschutz das Problem zu lösen, schützt zwar das eigene Gehör vor dem erhöhten Schallpegel, aber das akustische Phänomen selbst bleibt bestehen und beeinträchtigt weiterhin die Kommunikation und das Wohlbefinden aller Personen im Raum.
Die richtige Lösung ist immer die akustische Verbesserung des Raumes selbst. Wer den Schallpegel am Einsatzort messen möchte, kann dafür ein Schallpegelmessgerät nutzen. Für den Überblick über alle Schallschutzlösungen bietet die Seite zum Schallschutz einen guten Einstieg.
Häufige Fragen
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