Schalldämmmaß – was der Rw-Wert wirklich aussagt
Was zwischen zwei Räumen passiert
Wer durch eine dünne Wand die Musik des Nachbarn hört, erlebt das Scheitern des Schalldämmmaßes. Wer in einem Büro nichts vom Gespräch nebenan mitbekommt, erlebt es im Erfolgsfall. Das Schalldämmmaß beschreibt, wie gut ein Bauteil, also eine Wand, eine Decke, eine Tür oder ein Fenster, verhindert, dass Schall von einem Raum in den nächsten dringt.
Das Schalldämmmaß ist das direkte Pendant zum Schallabsorptionsgrad, beschreibt aber etwas grundlegend anderes. Während der Absorptionsgrad angibt, wie gut ein Material Schall innerhalb eines Raumes schluckt, beschreibt das Schalldämmmaß, wie gut ein Bauteil verhindert, dass Schall von einem Raum in den anderen gelangt. Beide Kennzahlen zusammen bilden die Grundlage für eine vollständige akustische Bewertung eines Gebäudes oder Raumes.
Was bedeutet der Rw-Wert?
Der Rw-Wert, das bewertete Schalldämm-Maß, ist die in Europa gebräuchlichste Kennzahl für die Schalldämmung von Bauteilen. Er wird im Labor nach der Norm EN ISO 10140 gemessen und gibt an, um wie viele Dezibel der Schallpegel beim Durchgang durch das Bauteil sinkt.
- Rw unter 30 dB: Geringe Schalldämmung. Einfache Trennwände, dünne Gipskartonwände oder einfach verglaste Fenster liegen in diesem Bereich. Gespräche in Normallautstärke sind nebenan gut hörbar.
- Rw 30 bis 40 dB: Mittlere Schalldämmung. Einfache Mauerwerke, Standardfenster und leichte Trennwandsysteme. Laute Gespräche sind noch hörbar, normale Unterhaltungen kaum.
- Rw 40 bis 50 dB: Gute Schalldämmung. Schweres Mauerwerk, zweischalige Konstruktionen, hochwertige Fenster. Entspricht den erhöhten Anforderungen nach VDI 4100 Klasse II.
- Rw über 50 dB: Sehr gute Schalldämmung. Spezielle Konstruktionen für anspruchsvolle Anforderungen wie Tonstudios, Konferenzräume oder hochwertige Wohngebäude. Normale Gespräche sind nebenan praktisch nicht mehr hörbar.
Labor versus Praxis: Der R’w-Wert
Wie beim SNR-Wert beim Gehörschutz gibt es auch beim Schalldämmmaß eine Diskrepanz zwischen Labor- und Praxiswert. Der im Labor gemessene Rw-Wert wird unter idealen Bedingungen ermittelt, ohne Flankenübertragung, ohne Lücken und ohne Einfluss der umgebenden Konstruktion.
Im eingebauten Zustand kommt der R’w-Wert (mit Apostroph) zum Einsatz. Er berücksichtigt die tatsächlichen Einbaubedingungen, also Schallübertragung über flankierende Bauteile wie Boden, Decke und angrenzende Wände. In der Praxis liegt der R’w-Wert typischerweise 3 bis 8 dB unter dem Laborwert Rw. Wer eine bestimmte Schallschutzanforderung erfüllen möchte, muss diesen Abschlag bei der Planung einkalkulieren.
Schalldämmmaß und Frequenz
Ähnlich wie beim H, M und L-Wert beim Gehörschutz ist das Schalldämmmaß frequenzabhängig. Tiefe Frequenzen sind schwerer zu dämmen als hohe. Ein Bauteil mit einem Rw-Wert von 45 dB kann bei 125 Hz nur 30 dB Dämmung bieten, während es bei 1.000 Hz 50 dB erreicht.
Das hat praktische Konsequenzen: Wer Lärm mit viel Tieftonanteil dämmen möchte, etwa Musik mit starkem Bass oder Maschinenlärm, braucht Konstruktionen, die speziell für tiefe Frequenzen ausgelegt sind. Einfache leichte Trennwände versagen bei tiefen Frequenzen oft erheblich. Schwere, massive Bauteile und zweischalige Konstruktionen mit Luftspalt sind hier deutlich wirksamer.
Was viele nicht wissen: Die Schwachstelle ist selten die Wand
Hier ein Aspekt, der bei Schallschutzprojekten regelmäßig für Enttäuschungen sorgt: In den meisten Fällen ist die Wand selbst nicht das Problem. Türen, Fenster, Lüftungsöffnungen, Steckdosen und Leitungsdurchführungen sind die eigentlichen Schwachstellen. Schall sucht immer den Weg des geringsten Widerstands, und eine einzige schlecht abgedichtete Steckdose kann die Dämmwirkung einer hochwertigen Wand erheblich verschlechtern.
Das gilt besonders für Akustiktrennwände in Büros und Arbeitsräumen. Selbst hochwertige Trennwandsysteme verlieren einen Großteil ihrer Wirksamkeit, wenn der Anschluss an Boden, Decke und Nachbarwand nicht sorgfältig ausgeführt ist. Wer eine bestimmte Schallschutzklasse erreichen möchte, muss das gesamte System im Blick haben, nicht nur das Hauptbauteil.
Mehr zu Produkten und Lösungen für den Schallschutz in Räumen findet sich auf der Übersichtsseite zum Schallschutz. Wer den Zusammenhang zwischen Raumakustik und persönlichem Gehörschutz verstehen möchte, findet auf der Seite zum Gehörschutz am Arbeitsplatz weiterführende Informationen zu den gesetzlichen Anforderungen.
Häufige Fragen
Dieser Glossar-Eintrag wurde von uns redaktionell unter Zuhilfenahme einer KI erstellt.
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